Das 1.Jahrhundert
Das 1. Jahrhundert
Als im Jahre 1802 ein Großbrand eine ganze Reihe von Häusern der Ortschaft Viehhausen vernichtete, war in unserer Gegend der Gedanke des gezielten Feuerlöschwesens noch gänzlich unbekannt. Die Bekämpfung eines Brandes oblag der zwanglosen Nachbarschaftshilfe, die mit einfachen Mitteln, viel gutem Willen aber meist mäßigem Erfolg ein unzureichendes Mittel gegen Brände darstellen musste.
Erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ging man daran, die Brandbekämpfung zu organisieren, indem man Freiwillige Feuerwehren auf Vereinsbasis gründete. Die „Zeitung für das Feuerlöschwesen" enthielt in ihrer Ausgabe vom 01.02.1871, die jedem Dorfbürgermeister zugeleitet worden war, einen allgemeinen Aufruf zur Gründung Freiwilliger Feuerwehren. Um deren Entstehung zu beschleunigen, war in der Zeitung auch ein Muster einer Einladung zur Gründungsversammlung abgedruckt. Inwieweit der Zeitungsaufruf auf fruchtbaren Boden fiel, kann dahingestellt bleiben. Es entstanden jedenfalls in den Folgejahren in unserer näheren Nachbarschaft Freiwillige Feuerwehren in Schönhofen (1873), in Viehhausen (1873), in Etterzhausen (1874), in Eichhofen (1880), in Eilsbrunn (1882) und in Undorf (1884).
Gründung
Über die Gründungsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Nittendorf enthält das „Beschlussbuch” (siehe rechts) folgenden Eintrag: „Die hiesige freiwillige Feuerwehr wurde am 4. Juli 1880 im Schulhause dahier von 71 Mitgliedern gegründet […].” Folgende Wahlergebnisse der Gründungsversammlung sind dort dokumentiert:
- Mathias Raum als Vorstand,
- Josef Aukofer als Commandant,
- Josef Dirigl als Adjutant,
- Georg Mirwald als Cassier und Schriftführer,
- Franz Rödl als Spritzenmeister,
- Georg Stepper als Requisitenmeister.
Da in der Gründungsversammlung ein Spritzenmeister gewählt worden war, liegt die Vermutung nahe, dass die Freiwillige Feuerwehr Nittendorf die Brandbekämpfung nicht mit Löscheimern vornehmen musste, sondern bereits frühzeitig mit einer Handdruckspritze ausgestattet war. Solche Handdruckspritzen, welche etwa seit 1865 erhältlich waren, besaßen keine Ansaugvorrichtung, weshalb das Wasser mit Eimern in den Druckbehälter gegossen werden musste. Die von Hand bediente Pumpe drückte das Wasser dann durch den angeschlossenen Schlauch, was einer wirkungsvolleren Brandbekämpfung diente.
Am 13. September 1884 wurde beschlossen, 38 Feuerwehrröcke beim Schneidermeister Simon Bolz aus Etterzhausen für 342 Mark anzuschaffen. Es kann sich hierbei nicht um die Erstausstattung mit Uniformröcken gehandelt haben, denn dem Schneidermeister waren die alten Messingknöpfe zur Wiederverwertung übergeben worden. Zudem erhielt die Freiwillige Feuerwehr Nittendorf am 15. Juli 1888 von der Münchner Firma Betzenhammer zum Preis von 171,60 Mark 30 Feuerwehrhelme aus Leder, welche einen schmalen Kamm und auch eine Einfassung aus Messing besaßen. Die Helme der Feuerwehrleute mit Dienstrang zierten zudem Roßhaarbüsche und Messingaufsätze. Alle Helme waren Vereinseigentum, wurden jedoch von den Aktiven persönlich verwahrt. Im Beschlussbuch wurde dazu vermerkt: „Wenn einer aus eigener Schuld seinen Helm beschädigt, ausgenommen bei ausgebrochenem Brand oder Übung, wird derselbe zur Verantwortung gezogen, d. h. er muß ihn zahlen.”
Am 2. August 1891 traten die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Nittendorf dem Bayerischen Landesfeuerwehr-Sterbekassenverband bei und genossen nunmehr Versicherungsschutz bei Brandeinsätzen.
Eine neue Fahne – vermutlich gab es bereits vorher eine Fahne, über deren Verbleib aber nichts bekannt ist – wurde am 14. Juli 1895 vom Hochwürdigen Herrn Pfarrer Georg Lehner feierlich geweiht. Diese Fahne, welche den Namen Bonaventura trägt, wurde aus Spenden der Vereinsmitglieder und der Nittendorfer Bevölkerung gekauft.

Das königliche Bezirksamt Stadtamhof empfahl bei einer Feuerwehrinspektion im Jahr 1899 den Bau eines Feuerwehrgerätehauses. Auf Grund dieser Anregung beschlossen im August 1899 die Ortsgemeindebürger in einer Versammlung den Bau eines „Feuerlöschrequisitenhauses”. Als Standort wurde ein Gemeindegrundstück in der Webergasse (heute Hochrainstraße) gewählt.
Beginn des 20. Jahrhunderts
Im Jahre 1902 brannte das Leitner Haus und das angrenzende Dotzler Haus bis auf die Grundmauern nieder. Obwohl die Freiwillige Feuerwehr rechtzeitig und in starker Besetzung zum Löschen angetreten war, konnte sie dem Großbrand auch mit den noch eingetroffenen Nachbarwehren nicht Herr werden, zumal auch gefährdete Anlieger vor dem Übergreifen des Brandes zu schützen waren. Bei dieser Gelegenheit stellte sich heraus, dass die Handdruckspritze größeren Anforderungen nicht gewachsen war. Daher wurde noch im gleichen Jahr eine vierräderige Saug-Druck-Spritze angeschafft, die von zwei Pferden schnell zu jedem beliebeigen Einsatzort gezogen werden konnte. Die von acht Feuerwehrmännern betätigte Pumpe saugte das Wasser über das Saugrohr aus einem Brunnen in den Druckbehälter der Spritze und gab dieses mit erheblichem Druck über einen Schlauch zur gezielten Brandbekämpfung ab. Durch diese Neuanschaffung, deren Finanzierung ein Geheimnis bleiben wird, hatte die Wirksamkeit der Freiwilligen Feuerwehr Nittendorf erheblich hinzugewonnen.

Während des 1.Weltkrieges und den Nachkriegsjahren ruhte das Vereinsleben vollständig. Von den zahlreich zur Ableistung des Kriegsdienstes eingezogenen Vereinsmitgliedern kehrten 10 nicht mehr zurück. Ihnen und allen weiteren Opfern sei an dieser Stelle ein ehrenvolles Andenken ihrer heutigen Feuerwehrkameraden zum Ausdruck gebracht.
Am 02.01.1921 wurde anstelle des bisherigen Verwaltungsrates von nur 39 Vereinsmitgliedern folgende Vorstandschaft zum Wiederbeginn der Freiwilligen Feuerwehr Nittendorf gewählt:
- Michael Beer sen. Vorstand
- Johann Schmiedmeier Kommandant
- Fritz Winkler Adjutant
- Johann Rödl Spritzenmeister
- Franz Aukofer Requisitenmeister
- Josef Meier Kassier
- Lehrer Braun Schriftführer.
Das bis dahin ruhige Vereinsgeschehen wurde für die 86 Mitglieder durch den Brand des Seitz-Anwesens am 25. März 1925 gebrochen. Am 19. August 1926 stand man der Etterzhausener Feuerwehr bei, als es galt, das Ausbreiten des Brandes im alten Zollhaus zu verhindern. Obwohl der Etterzhausener Bürgermeister Johann Frank seine eigenen Brandbekämpfungsansichten hatte („des is unser Feuer”), bekam die Nittendorfer Wehr immerhin den Vorzug vor der Regensburger Berufsfeuerwehr.
Im Herbst des Jahres 1933 baute die Freiwillige Feuerwehr das zweite Gerätehaus in ihrer Geschichte. Das neue Haus, gegenüber der Einfahrt zum heutigen Anwesen Hochrainstraße 4 gelegen, konnte neben der Saug-Druck-Spritze nun auch alle übrigen Requisiten aufnehmen.
Ab 1. Januar 1936 wurde die Freiwillige Feuerwehr in eine Truppe mit Polizeicharakter, die sich Feuerschutzpolizei nannte, umgebildet. Gleichzeitig wurden die Versammlungen zu Appellen umbenannt und ein gemeindlicher Brandmeister bestellt. So kam es auch, dass der Feuerschutzpolizei Nittendorf die bisher selbständige Freiwillige Feuerwehr Undorf angegliedert wurde. Dies hatte jedoch nur für ein Jahr Bestand, denn am 1. Januar 1937 wurde die Feuerschutzpolizei der Gemeinde Nittendorf wieder in eine Abteilung Nittendorf und eine Abteilung Undorf aufgeteilt.
Während des 2. Weltkrieges ruhte das örtliche Feuerwehrwesen fast vollständig. 16 Kameraden kehrten aus diesem Krieg nicht wieder heim.
Am 3. März 1946 lebte der Verein „Freiwillige Feuerwehr Nittendorf” in einer dazu veranstalteten Versammlung im Gasthaus Stepper durch die Wahl folgender Vorstandschaft neu auf:
- Josef Rödl Vorstand
- Georg Weierer Hauptmann
- Alois Weigl Adjudant
- Josef Dirigl Kassier
- Bartl Mirwald
- Schriftführer
- Ludig Eglmeiser Requisitenmeister
- Franz Aukofer Hornist
Dringlichste Aufgabe der neuen Vorstandschaft war es, das Feuerwehrgerätehaus, das ein sinnloser Bombenabwurf im Februar 1944 stark beschädigt hatte, zu renovieren. Es wurde zunächst im Jahr 1947 behelfsmäßig erneuert, bis die vollständige Wiederherstellung schließlich am 25. November 1949 mit einer bescheidenen Hebefeier abgeschlossen werden konnte.
Fahnenweihe 1951
In der Generalversammlung am Dreikönigstag 1950 wurde die Anschaffung einer neuen Vereinsfahne besprochen. Nach einstimmiger Befürwortung beauftragte man auf Empfehlung des Hochwürdigen Herrn Pfarrer Huber bei der Taubstummenanstalt Michelfeld die Anfertigung der aus Erlösen verschiedener Veranstaltungen sowie aus Spendengeldern finanzierten Fahne. Ein Jahr später wurde die Auftragsarbeit fertiggestellt und geliefert.
Die Fahnenweihe fand am Sonntag, den 15. Juli 1951 unter der Schirmherrschaft von Landrat Leonhard Deininger statt. Die Fahne wurde unter dem Geleit der Fahnenmutter Lucie Beer, der Festjungfrauen Lotte Aukofer, Resi Beer, Liesl Bolz, Olga Hartl, Marille Plank, Maria Polleter, There Schönecker und Anna Seitz feierlich geweiht. Die Patenschaft hatte die Freiwillige Feuerwehr Etterzhausen übernommen. Am Festzug, bei dem die Kapelle Schlauderer und die Feuerwehrkapelle Pfatter spielten, nahmen 35 freiwillige Feuerwehren aus der näheren Umgebung teil. Die Festrede hielt Hauptlehrer Gottlieb Huber.
Einrichtung eines Löschwasserweihers
Am 22. Oktober 1958 brannte die Scheune des Anwesens Lorenz nieder. Noch ein Jahr später diskutierte man in der Jahreshauptversammlung heftig über den Brand. Da die vormals recht zahlreich vorhandenen Hausbrunnen als Löschwasserspender verfallen und längst durch eine Wasserleitung abgelöst worden waren, drängte sich der Gedanke zum Bau eines Löschwasserspeichers auf. Bürgermeister Wolfgang Dorfner stellte den Bau eines Feuerlöschweihers in Aussicht und kündigte den Wehrmännern ferner die Beschaffung einer Motorspritze an. Gleichzeitig bot er ein ausgedientes Transformatorhäuschen als Schlauchtrockenturm an.
Dem Bericht zur Jahreshauptversammlung vom 31. Januar 1960 zu Folge waren die Arbeiten am Löschwasserweiher bereits angelaufen.
Auf dem Dach des Schulhauses (heute Kindergarten in der Talstraße) wurde im Februar 1964 aus Staatsmitteln eine moderne Sirenenanlage installiert, wogegen zur Brandbekämpfung immer noch die mit Muskelkraft betriebene Saug-Druck-Spritze aus dem Jahr 1902 dienen musste. Wenngleich die Mitglieder mit großem persönlichem Einsatz zu Bränden ausrückten, machte sich dennoch Resignation über das Ausbleiben der Modernisierung und somit der nur verminderten Leistungsfähigkeit der eigenen Wehr breit. Die Nittendorfer Feuerwehrleute mussten 1963 wegen ihrer unzureichenden technischen Ausrüstung das Eintreffen der aus Regensburg herbei eilenden Berufsfeuerwehr abwarten, um einen Brand am Ortsrand zu löschen. Dennoch wollte man dem neuen Gerät vorbereitet gegenübertreten, weshalb für die bereits in Löschgruppen eingeteilte Mannschaft Maschinisten für die erwartete Motorspritze bestimmt wurden.
Einführung einer Motorspritze
Endlich – 9½ Jahre nach der ersten Ankündigung – konnte die Motorspritze TS 8/8 Magirus am 31. Juli 1968 in Betrieb genommen werden. Die Pumpe war in einem einachsigem Anhänger untergebracht und konnte so mit einem Traktor oder anderem Zugfahrzeug schnell zu jeder Brandstelle gezogen werden. Die Wirksamkeit der Nittendorfer Feuerwehr hatte sich durch diese Neuausstattung ganz erheblich verbessert.
Bau eines Feuerwehrgerätehauses und Beschaffung eines Feuerwehrfahrzeugs
Ende 1969 wurde das neue Gerätehaus mit Schlauchtrockenturm fertiggestellt.
Hans Dirigl wurde am 4. Februar 1972 zum 1. Jugendvertreter der FF Nittendorf gewählt. In der gleichen Jahreshauptversammlung stellte der 2. Bürgermeister Josef Schilling die kostspielige Anschaffung eines Feuerwehrautos seitens der Gemeinde in Aussicht. Ein neues Kapitel des Nittendorfer Feuerlöschwesens begann, als die Gemeinde der freiwilligen Feuerwehr als Löschfahrzeug (TSF) einen Fort Transit übergab. Bereits am 29. Oktober 1972 wurden das Feuerlöschauto und das Feuerwehrgerätehaus geweiht und anschließend in einer vereinsinternen Feier begossen.

Die Neuwahlen zu Beginn des Jahres 1978 ergaben den derzeit noch mit der Vereinsführung betrauten Verwaltungsrat:
- Michael Beer 1. Vorstand (seit 30 Jahren)
- Norbert Riebel 2. Vorstand
- Josef Dirigl Kassier (seit 35 Jahren)
- Norbert Winkler Schriftführer
- Hans Dirigl 1. Kommandant
- Franz Rödl 2. Kommandant
- Josef Schmid 1. Gerätewart
- Peter Wegele 2. Gerätewart
- Walter Sejpka Vertreter der Glockensiedlung
- Ferdinand Beer Jugendvertreter
Im gleichen Jahr wurden erstmals eine Damenlöschgruppe und eine Seniorenlöschgruppe eingerichtet.
